Wien veranstaltet UN-Konferenz zur Friedensbildung: Reichen Gesetze aus – oder braucht die Welt „Wohlwollen“? Wien – Hala El-Maghawry

Im Vienna International Centre (VIC), dem Sitz der Vereinten Nationen in Wien, fand am Freitag, den 24. April 2026, eine internationale Konferenz unter dem Titel „Friedensbildung – Die Verbindung zwischen SDG 16 und der Weisheit der Religionen“ statt. Die Veranstaltung wurde vom NGO Committee on Peace – Vienna organisiert und brachte Expertinnen und Experten aus den Bereichen Frieden, Bildung und interreligiöser Dialog zusammen.
Die Konferenz wurde von Herrn Peter, Präsident des Weltfriedensverbandes in Österreich, moderiert. Er leitete die Diskussionen und schuf einen offenen Raum für den Austausch zwischen institutionellen UN-Perspektiven und ethisch-spirituellen Ansätzen aus religiösen Traditionen.
Vor dem Hintergrund einer zunehmend instabilen Welt – geprägt von bewaffneten Konflikten, sozialen Ungleichheiten sowie Klima- und Migrationskrisen – stellte die Konferenz eine zentrale Frage: Kann Frieden allein durch Gesetze und Institutionen erreicht werden, oder erfordert er einen tieferen Wandel im Menschen selbst?
Diese Fragestellung bildete den Kern der Diskussionen. Die Teilnehmenden betonten, dass Frieden nicht mehr nur als Abwesenheit von Krieg verstanden werden kann, sondern als ein positiver Zustand, der auf Gerechtigkeit, Harmonie und gegenseitigem Verständnis basiert – im Einklang mit dem Nachhaltigkeitsziel 16, das den Aufbau friedlicher und gerechter Gesellschaften fördert.
Zu den Hauptrednerinnen zählte Dr. Helga Kirchbaum, Vizepräsidentin des NGO Committee on Peace – Vienna und Vertreterin von Pax Romana. Sie unterstrich, dass institutionelle Strukturen allein nicht ausreichen, um Frieden zu sichern, wenn sie nicht durch menschliche Werte ergänzt werden.
Die Konferenz stellte zwei grundlegende Ansätze zum Verständnis von Frieden gegenüber: Einerseits den institutionellen Ansatz der Vereinten Nationen, der auf Rechtsstaatlichkeit und stabile Systeme setzt, und andererseits den spirituell-ethischen Ansatz, der Frieden als inneren Transformationsprozess des Menschen versteht.
Die zentrale Erkenntnis: Keiner dieser Ansätze kann für sich allein bestehen. Institutionen ohne Werte können zu starren Strukturen werden, während Werte ohne institutionellen Rahmen nicht nachhaltig wirksam sind.
Ein zentrales Thema der Konferenz war das Konzept des „Wohlwollens“ (Benevolence), das als gemeinsamer Nenner verschiedener Religionen und Kulturen hervorgehoben wurde. Es umfasst grundlegende Prinzipien wie Mitgefühl, Gerechtigkeit, Respekt und das Prinzip, anderen keinen Schaden zuzufügen. Dieses Konzept wurde als mögliche gemeinsame ethische Basis für eine friedlichere Welt diskutiert.
Darüber hinaus wurde die Beziehung zwischen Gerechtigkeit und Wohlwollen intensiv erörtert. Während einige Teilnehmende betonten, dass Frieden ohne Gerechtigkeit nicht denkbar sei, wurde zugleich hervorgehoben, dass Gerechtigkeit ohne menschliche Werte an Substanz verlieren kann. Wohlwollen wurde dabei nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur Gerechtigkeit verstanden.
Ein weiteres zentrales Thema war die Kluft zwischen Wissen und Umsetzung. Obwohl viele Menschen wissen, was richtig ist, wird dieses Wissen oft nicht in die Praxis umgesetzt. Daher wurde betont, dass Friedensbildung über theoretisches Wissen hinausgehen und im Alltag gelebt werden muss – im Dialog, im Umgang mit Konflikten und bei Entscheidungen.
Die Konferenz machte deutlich, dass die Welt heute stärker vernetzt ist denn je und dass Krisen globale Auswirkungen haben. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit eines gemeinsamen menschlichen Verständnisses und kollektiver Verantwortung.
Was diese Konferenz besonders auszeichnete, war ihr Versuch, das Verständnis von Frieden neu zu definieren. Sie ging über die klassische Gegenüberstellung von Politik und Ethik hinaus und zeigte, dass echter Frieden nur durch das Zusammenspiel beider Ebenen erreicht werden kann.
Zum Abschluss wurden zentrale Fragen aufgeworfen: Wie lassen sich Werte wie Wohlwollen in konkrete politische Maßnahmen übersetzen? Und wie können ethische Prinzipien in globale Systeme integriert werden, die von Interessen geprägt sind?
Die wichtigste Botschaft der Konferenz war jedoch klar: Der Weg zum Frieden führt nicht allein über Gesetze und Abkommen, sondern beginnt im Menschen selbst. Während Institutionen den Rahmen schaffen, ist es der Mensch, der ihm Bedeutung verleiht.
In einer zunehmend komplexen Welt lautet die entscheidende Frage daher nicht nur, wie Kriege beendet werden können, sondern wie ein Mensch geschaffen wird, der zum Frieden fähig ist.



