Der bildende Künstler Ahmed Hamouda begeistert mit seinen Werken in der Ausstellung „Meidling Rouge“ in Wien Hala El-Maghawry, Wien

„Kunst ist nicht nur das, was wir sehen… sondern das, was uns dazu bringt, uns selbst und die Welt um uns herum neu zu hinterfragen.“
In einer künstlerischen Szene, die die zeitgenössischen Veränderungen in der Beziehung zwischen Kunst und öffentlichem Raum widerspiegelt, tritt die Beteiligung des ägyptischen Künstlers Ahmed Hamouda im Projekt „Meidling Rouge“ in der österreichischen Hauptstadt Wien als eine Erfahrung hervor, die über die traditionelle Ausstellung hinausgeht und eine komplexere visuelle und intellektuelle Dimension eröffnet. Die Präsenz beschränkt sich hier nicht nur auf die Präsentation von Kunstwerken, sondern erweitert sich zu einem Raum für Dialog über Konzepte von Identität, Mensch und Körper in einem multikulturellen Kontext.
Im Wiener Bezirk Meidling wurde das Projekt „Meidling Rouge“ ins Leben gerufen – ein künstlerisches Format, das klassische Ausstellungen mit Kunst im öffentlichen Raum verbindet und Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen zusammenbringt. Diese Initiative steht im Kontext eines wachsenden Trends, die Beziehung zwischen Publikum und Kunst neu zu definieren, indem Kunst aus geschlossenen Räumen in den offenen, alltäglichen Raum verlagert wird.
In diesem Rahmen präsentiert der ägyptische Künstler Ahmed Hamouda eine künstlerische Praxis, die auf einer fundierten akademischen Auseinandersetzung mit der europäischen Kunstgeschichte basiert, zugleich jedoch dieses Erbe aus einer zeitgenössischen Perspektive neu befragt. Hamouda versteht die Klassik nicht als starre Referenz, sondern als einen Raum, der neu gelesen und neu geformt werden kann.
In einem seiner Werke greift der Künstler die Ikone der „Venus“ als klassisches Symbol der Weiblichkeit auf, formuliert sie jedoch außerhalb ihres traditionellen europäischen Kontextes neu, um ein umfassenderes Verständnis von Weiblichkeit als universellen, kulturübergreifenden Wert zu entwickeln. Dazu sagt Hamouda:
„Weiblichkeit ist nicht an einen bestimmten Ort oder eine bestimmte Kultur gebunden, sondern ein gemeinsamer menschlicher Ausdruck… es gibt keinen Unterschied zwischen einer ägyptischen oder europäischen Frau – der Mensch ist im Kern derselbe.“
In einem weiteren Werk tritt Hamouda in einen visuellen Dialog mit Rodins Skulptur „Der Denker“, indem er eine parallele Version mit dem Titel „Die Denkerin“ präsentiert. Diese Transformation geht über eine bloße formale Veränderung hinaus und beinhaltet eine implizite Dekonstruktion traditioneller Geschlechterdichotomien. Der Künstler kommentiert dies wie folgt:
„Denken ist kein Privileg des Mannes… auch die Frau besitzt dieselbe Tiefe und Fähigkeit zur Reflexion.“
Die akademische Grundlage des Künstlers zeigt sich in seiner Orientierung an den Traditionen der klassischen Malerei, insbesondere in der Darstellung des menschlichen Körpers im Rahmen der akademischen Kunst. Diese Herangehensweise ist jedoch keine bloße Reproduktion, sondern dient als Mittel zur Neuinterpretation des Körpers, der sich von einer rein physischen Form zu einem Träger philosophischer und humanistischer Bedeutungen entwickelt.
In diesem Zusammenhang lassen sich einige seiner Werke von Körperbewegungen inspirieren, die mit Praktiken wie Yoga verbunden sind, wobei die dargestellten Körper Positionen einnehmen, in denen sich Kraft und Flexibilität ausbalancieren. Hamouda beschreibt diesen Ansatz folgendermaßen:
„Der Körper ist nicht nur eine Form, sondern ein Ausdruckszustand… eine eigenständige Sprache.“
Auffällig ist zudem das Fehlen von Gesichtszügen in einigen Werken – eine künstlerische Entscheidung, die Raum für vielfältige Interpretationen eröffnet. Der Künstler erklärt dazu:
„Ich möchte dem Betrachter keine Interpretation aufzwingen… das Kunstwerk vollendet sich durch seine persönliche Lesart.“
Diese Teilnahme ist Teil einer vielfältigen internationalen Präsenz, die die Dynamik des kulturellen Austauschs zwischen Ost und West widerspiegelt und die Position des arabischen Künstlers innerhalb der zeitgenössischen europäischen Kunstszene bestätigt – nicht nur als Teilnehmer, sondern als Träger eines visuellen Diskurses, der Fragen über geografische Grenzen hinaus aufwirft.
Das Projekt „Meidling Rouge“ verkörpert diesen Ansatz, indem es Kunst als offenen, interaktiven Raum präsentiert, in dem ästhetische Erfahrung und intellektuelle Diskussion aufeinandertreffen, um die Rolle der Kunst in der Gesellschaft neu zu definieren.
In einer Zeit, in der Bilder sich beschleunigen und oft an Bedeutung verlieren, präsentiert Ahmed Hamouda ein Modell einer Kunst, die nicht nur gesehen, sondern verstanden und diskutiert werden will – eine Kunst, die den Menschen wieder ins Zentrum stellt, dem Körper seine Sprache zurückgibt und der Kunst ihre Rolle als Denkwerkzeug und nicht nur als Darstellungsmedium zuschreibt.



