Jugend-Changemakers-Konferenz 2.0 im UNO-City Wien: Jugend zwischen KI, Bildung und Verantwortung Von Hala El-Maghawry, Wien

Im Vienna International Centre, dem Sitz der Vereinten Nationen in Wien, fand die Jugend-Changemakers-Konferenz 2.0 mit Teilnehmenden aus mehr als 25 Staaten statt. Die Veranstaltung brachte junge Akteurinnen und Akteure, zivilgesellschaftliche Organisationen sowie diplomatische Vertreter zusammen – mit einem klaren Fokus auf Zukunftsfragen zwischen digitaler Transformation, Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung.
Dass die Konferenz im UNO-City stattfand, war mehr als Symbolik. Es markiert eine Verschiebung: Jugend wird nicht mehr ausschließlich als Zielgruppe politischer Strategien verstanden, sondern zunehmend als Mitgestalterin internationaler Diskurse.
Organisiert wurde die Konferenz vom European Network of Filipino Diaspora (ENFiD/NFID) gemeinsam mit dessen Zweigstellen in Österreich und Tschechien, der International Association of Youth and Students for Peace (IYSP) – Europe & Middle East, der Women’s Federation for World Peace (WFWP) sowie der United Nations Correspondents Association Vienna (UNCAV). Auch Vertreter der Europäischen Kommission sowie Erasmus-Plus-Initiativen waren eingebunden.
Im Zentrum der Debatten stand die Künstliche Intelligenz – allerdings nicht primär als Innovationsmotor, sondern als Governance-Frage. Wer kontrolliert Algorithmen? Wer definiert regulatorische Standards? Und wie lässt sich sicherstellen, dass technologische Systeme demokratischen und menschenrechtlichen Prinzipien verpflichtet bleiben?
Vor dem Hintergrund zunehmender Desinformation, algorithmischer Verzerrung und digitaler Polarisierung wurde deutlich: Die Herausforderung ist nicht nur technischer Natur. Sie ist politisch. Sie betrifft Transparenz, Verantwortlichkeit und Machtverteilung im digitalen Raum.
Eine diplomatische Perspektive brachte S.E. Zoilo A. Velasco, stellvertretender Missionsleiter und Generalkonsul der Republik der Philippinen in Österreich, ein. In seiner Rede verwies er auf die transnationale Dimension von Cyberkriminalität und betonte die Notwendigkeit internationaler Kooperation. Der Beitritt der Philippinen zur Budapester Konvention über Cyberkriminalität wurde dabei als Beispiel für multilaterale Verantwortung genannt.
Doch die Konferenz blieb nicht bei normativen Debatten stehen. In einem konkreten Schritt wurde eine finanzielle Unterstützung für ein Stipendienprogramm zugunsten junger Menschen auf den Philippinen übergeben, die ein starkes Bildungsinteresse und großes Potenzial mitbringen, deren Familien jedoch nicht über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen, um ihnen eine entsprechende Ausbildung zu ermöglichen. Das Programm konzentriert sich auf Studiengänge in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik (STEM) sowie auf die berufliche Aus- und Weiterbildung (TVET). Die Initiative entstand in Kooperation zwischen NFID Czech Republic und der Philippine-Austrian Cultural and Educational Society (PACES).
Elf Absolventinnen und Absolventen in STEM-Fächern sowie sieben im Bereich der beruflichen Ausbildung konnten bereits erfolgreich abschließen; weitere Jahrgänge sind für das Studienjahr 2026–2027 vorgesehen. Bildung wird hier nicht als abstraktes Ziel formuliert, sondern als konkretes Instrument sozialer Mobilität und struktureller Stabilität verstanden – insbesondere für junge Menschen aus einkommensschwachen Familien.
Parallel dazu präsentierten junge Teilnehmende im Rahmen des Peace-Designer-Programms lokale Projekte – von kulturellen Initiativen zur Förderung junger Musiker bis hin zu generationenübergreifenden Aktivitäten in Pflegeeinrichtungen. Die Projekte verdeutlichten einen pragmatischen Ansatz: gesellschaftlicher Wandel entsteht selten durch Großreformen, sondern häufig durch skalierbare Mikroinitiativen.
Das Leitmotiv „Intergenerational Innovation Lab“ spiegelte sich in den Diskussionen wider. Frieden, so ein wiederkehrender Tenor, entsteht nicht allein durch politische Institutionen, sondern durch stabile soziale Beziehungen – zwischen Generationen, innerhalb von Familien und in lokalen Gemeinschaften. Angesichts zunehmender Fragmentierung digitaler Öffentlichkeiten gewinnt dieser Gedanke an Relevanz.
In der Schlussrunde wurde eine zentrale Frage formuliert: Woran wird der Erfolg 2027 gemessen? An Teilnehmerzahlen? An der Anzahl nachhaltiger Projekte? Oder an messbaren gesellschaftlichen Effekten?
Die Jugend-Changemakers-Konferenz 2.0 verstand sich nicht als isoliertes Event, sondern als Plattform. Diplomatie, Zivilgesellschaft und Jugendinitiativen trafen hier aufeinander.
Die Botschaft aus Wien lautet: Junge Menschen sind keine „zukünftigen“ Akteure. Sie agieren bereits jetzt – politisch, sozial und digital.
Die eigentliche Bewährungsprobe wird sein, ob aus dieser Dynamik dauerhafte Strukturen entstehen.



